Beschäftigung von Schülern und Studenten

Die Sommerferien haben begonnen. Wie jedes Jahr gibt es wieder zahlreiche Schüler und Studenten, die in dieser Zeit die Gelegenheit nutzen wollen, entweder Eindrücke und Erfahrungen in der Baubranche zu sammeln oder aber den einen oder anderen Euro zu verdienen.

Aus diesem Grund bietet sich ein kurzer Überblick über die wesentlichen arbeits- und sozialrechtlichen Voraussetzungen, insbesondere auch mit Blick auf den tariflichen oder gesetzlichen Mindestlohn an:

Grundsätzlich sollte bei der Einstellung eine (sachgrundlose) Befristung vereinbart werden. Diese ist auch dann möglich, wenn zuvor ein Ausbildungs- oder Praktikantenverhältnis bestanden hat.

Achten Sie auch darauf, dass trotz Befristung eine ordentliche Kündigung möglich ist. Hierzu bedarf es einer ausdrücklichen Vereinbarung im Vertrag.

Beispielsweise: „Das Arbeitsverhältnis kann auch vor Ablauf der vereinbarten Befristung unter Einhaltung der tariflichen Fristen gekündigt werden.“

Minderjährige brauchen für die Aufnahme der Tätigkeit die Zustimmung der Erziehungsberechtigten.

Tariflicher Mindestlohn:

Schüler und Studenten an allgemeinbildenden Schulen (Haupt-, Realschule, Gymnasium) sind grundsätzlich vom Tarifvertrag Mindestlohn Bau (TV-Mindestlohn Bau) ausgenommen.

Schulabgänger sind vom TV-Mindestlohn Bau für die Dauer einer Tätigkeit von maximal 50 Arbeitstagen in einem Zeitraum von bis zu 12 Monaten ausgenommen.
Als Betrieb sollten Sie diese Umstände mit dem Betroffenen abklären und dessen Status auch im Vertrag vermerken.

– Gesetzlicher Mindestlohn

Für Schüler unter 18 Jahren gilt kein gesetzlicher Mindestlohn (MiLoG).

Auch für Schulabgänger gilt jedenfalls dann kein gesetzlicher Mindestlohn, wenn innerhalb von 12 Monaten nach Beendigung der Schulausbildung nicht mehr als 50 Arbeitstage gearbeitet werden.

Praktikanten fallen jedenfalls dann nicht unter den gesetzlichen Mindestlohn, wenn sie im Rahmen der Schul- oder Studienausbildung ein vorgeschriebenes Praktikum ableisten oder sie ein freiwilliges Praktikum zur Berufsorientierung ableisten und eine Dauer von maximal drei Monaten nicht überschritten wird. Letzteres wird im Handwerksbereich am häufigsten vorkommen.

In den meisten Fällen liegen die Voraussetzungen für den Mindestlohn nicht vor, weshalb sich die Frage nach einer angemessenen Vergütung stellt.

Grundsätzlich sollte sich diese stets an der ausgeübten Tätigkeit im Betrieb orientieren und regelmäßig nicht weniger als 2/3 der tariflichen Mindestvergütung betragen.

Hier ist die kurzfristige Beschäftigung (bis 50 Tage bzw. maximal 3 Monate) oder die geringfügige Beschäftigung (Minijob) zu unterscheiden.

– Geringfügige Beschäftigung

Das maximale Arbeitsentgelt darf 450,00 EUR monatlich nicht überschreiten. In diesem Fall werden lediglich pauschale Beiträge zu Kranken- und Rentenversicherung fällig, die vom Betrieb gezahlt werden müssen. Der Betroffene kann sich auf Wunsch von der Rentenversicherung befreien lassen. Hierzu sollte er entsprechend aufgeklärt werden.

– Kurzfristige Beschäftigung

Zwar ist die Höhe der Vergütung an sich unbeschränkt, die Tätigkeit muss aber auf maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage beschränkt sein und darf nicht berufsmäßig ausgeübt werden.

Dabei ist die Tätigkeit dann nicht berufsmäßig, wenn diese von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist. Bei Tätigkeiten in der Ferienzeit oder zwischen zwei Ausbildungsabschnitten ist dies regelmäßig der Fall. Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn der Betroffene beschlossen hat, die Schulausbildung nicht mehr fortzuführen, um dauerhaft in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Da wird man bereits von einer Berufsmäßigkeit ausgehen. Die Tätigkeit ist dann ab dem ersten Tag sozialbeitragspflichtig.

Mehrere kurzfristige Arbeitsverhältnisse (auch bei verschiedenen Arbeitgebern) werden zusammengezählt. Es sollten also entsprechende Informationen vor Abschluss des Vertrags vom Betroffenen eingeholt werden. Gleiches gilt, wenn während der Tätigkeit eine zusätzliche Beschäftigung aufgenommen wird. Auch hierüber muss Sie der Betroffene informieren.

Sofern die zeitlichen Grenzen der kurzfristigen Beschäftigung eingehalten werden, sind keine Sozialabgaben zu entrichten.

– Sonderfall Werkstudent

Werkstudenten können sozialversicherungsfrei beschäftigt werden, wenn deren Tätigkeit in der Vorlesungszeit 20 Wochenstunden nicht überschreitet und das laufende Studium weiterhin im Vordergrund steht.

In den Semesterferien gilt diese Beschränkung hingegen nicht.

Ferienjobber sind grundsätzlich an die SOKA-BAU sowie an die BG-BAU zu melden und voll beitragspflichtig. Ihr Bruttolohn fließt in die Berechnung des Gesamtsozialkassenbeitrags mit ein.

Gleichzeitig besteht aber auch Anspruch auf Erstattung der tatsächlich erbrachten Urlaubsvergütung sowie auf die gesetzliche Unfallversicherung während der Tätigkeit und auch am Arbeitsweg.

Wenn der Betroffene im Tätigkeitsbereich eines gewerblichen Arbeitnehmers eingesetzt wird, muss auch die Winterbeschäftigungsumlage entrichtet werden. Dies gilt unabhängig davon, ob aufgrund der Befristung in den Wintermonaten kein Anspruch entstehen kann.

Kinder unter 15 Jahren dürfen nicht beschäftigt werden.

Bei Minderjährigen (15 – 18 Jahre) ist zu beachten, dass die Tätigkeit pro Kalenderjahr auf maximal 20 Arbeitstage begrenzt ist. Die maximale Arbeitszeit beträgt 8 Stunden täglich sowie nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich. Überstunden sind also nicht zulässig.

Bei einer Arbeitszeit von 4,5 bis 6 Stunden ist eine Pause von mindestens 30 Minuten und bei einer Tätigkeit von mehr als 6 Stunden von mindestens 60 Minuten zu gewähren. Eine Pause muss mindestens 15 Minuten betragen.

Zwischen den Arbeitstagen muss eine Ruhezeit von mindestens 12 Stunden liegen.

Eine Tätigkeit an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen sowie zwischen 20 Uhr und 6 Uhr (Nachtzeit) ist grundsätzlich verboten.

Wie bei allen Beschäftigten gilt, dass vor Aufnahme der Tätigkeit eine Gefahrenunterweisung hinsichtlich möglicher Unfall- und Gesundheitsgefahren durch den Betrieb erfolgen muss.

Insbesondere bei Jugendlichen ist dabei besonders auf das geistige und körperliche Leistungsvermögen des Einzelnen zu achten.

Eine durch spezielle Arbeitsschutzvorschriften vorgegebene Schutzausrüstung (Schuhe, Hose, etc.) ist auch Ferienjobbern zur Verfügung zu stellen, wenn diese in den maßgeblichen Tätigkeitsfeldern eingesetzt werden. Die Kosten hierfür hat der Betrieb zu tragen.

Ausführliche Informationen für Verbandsmitglieder

Im Intranetbereich unter Beschaeftigung-von-Schuelern-und-Studenten finden Verbandsmitglieder eine ausführliche Unternehmer-Info Bau zum Herunterladen.

2021-10-04T11:50:14+01:00